In einer japanischen Izakaya am Ende eines langen Sommerabends stellt ein Kellner ein niedriges Glas auf den hölzernen Tresen. Im Glas: zwei große Eiswürfel, eine einzelne getrocknete Pflaume und eine bernsteinfarbene Flüssigkeit, die schwach nach Steinobst, Honig und Holzrauch duftet. Das Getränk ist Umeshu — Japans Pflaumenlikör — und für die nächsten zwanzig Minuten wird das Gespräch langsamer, die Hitze des Tages lässt endlich nach, und man versteht mit einem Schluck, warum dieser eigentümliche süß-säuerliche Likör seit vierhundert Jahren eine stille Leidenschaft japanischer Haushalte ist.
Umeshu ist eines der beliebtesten und zugleich am meisten missverstandenen Getränke der japanischen Kultur. Man nennt es Pflaumenwein, Pflaumen-Sake, Pflaumenwhisky — keines davon ist technisch korrekt. Man verwechselt es mit der Marke Choya, die in Wahrheit nur einer von Dutzenden Herstellern ist. Man streitet darüber, ob die Frucht am Boden der Flasche eine Pflaume, eine Aprikose oder etwas ganz anderes ist. Dieser Leitfaden enthält alles, was wir über Umeshu wissen — was es ist, wie es hergestellt wird, der Unterschied zwischen Umeshu, Pflaumenwein und Pflaumen-Sake, die Rolle von Choya, wie man es trinkt, wie man es zu Hause macht und wo man die besten Flaschen zum Probieren findet.
IN DIESEM ARTIKEL
- 01Was ist Umeshu? Japans Pflaumenlikör, in einem Glas
- 02Umeshu vs. Pflaumenwein vs. Pflaumen-Sake: Die Verwirrung aufgelöst
- 03Die Ume-Frucht: Keine Pflaume, keine Aprikose
- 04Die Bedeutung von Umeshu im Japanischen (梅酒)
- 05Eine kurze Geschichte des Pflaumenweins in Japan
- 06Die Hauptzutat im Umeshu: Wie es hergestellt wird
- 07Choya: Die Marke, die Umeshu im Ausland prägte
- 08Geschmacksnoten & Stile: Von honigsüß bis trocken
- 09Wie man Umeshu trinkt: auf Eis, mit Soda, in Cocktails
- 10Umeshu zu Hause herstellen: Das traditionelle Rezept
- 11Wo man Umeshu kauft & Flaschen zum Probieren
Was ist Umeshu? Japans Pflaumenlikör, in einem Glas
Umeshu ist ein japanischer Pflaumenlikör, der durch das Einlegen unreifer Ume-Früchte in einen klaren, neutralen Branntwein mit Zucker hergestellt wird, wobei die Mischung mindestens sechs Monate ruht — oft viel länger. Das Ergebnis ist ein süßes, leicht säuerliches, zutiefst aromatisches Getränk, das irgendwo zwischen Fruchtlikör, Digestif und verstärktem Fruchtwein liegt. Die meisten Flaschen liegen zwischen 10 % und 15 % Alkohol, was Umeshu deutlich unter Whisky, aber über Tafelwein einordnet.
Die Frage, was Umeshu ist, hat eine einfache Antwort in der Flasche und eine interessantere in der japanischen Kultur. Streng genommen ist dies zuerst eine hausgemachte Tradition und erst dann ein kommerzielles Produkt. Seit Jahrhunderten stellen japanische Familien jeden Juni ihren eigenen Ume-Likör her, wenn die frische Ume-Frucht Saison hat: Sie verschließen große Glasgefäße mit Frucht, Zucker und Branntwein und verstauen sie für den Rest des Jahres in einem Schrank. Die ersten Flaschen werden um Neujahr geöffnet, die letzten manchmal Jahre später, wobei der Likör inzwischen zu etwas Außergewöhnlichem nachgedunkelt ist. Diese häusliche, fast rituelle Seite des Umeshu verleiht ihm in Japan sein emotionales Gewicht.
Wenn man jemanden je hat fragen hören, was Pflaumenwein sei, sprach er fast sicher über Umeshu — die beiden Begriffe werden im deutschsprachigen Raum austauschbar verwendet. „Pflaumenlikör" ist das technisch korrektere Etikett, aber „Pflaumenwein" steht auf den meisten Restaurantkarten und Supermarktregalen. Dasselbe Getränk, ein anderer Aufkleber.
Umeshu vs. Pflaumenwein vs. Pflaumen-Sake: Die Verwirrung aufgelöst
Die häufigste Verwirrung rund um Umeshu ist das Wort „Wein". Pflaumenwein, so wie westliche Verbraucher den Begriff verwenden, bezeichnet Umeshu — aber Umeshu ist kein Wein. Es wird nicht aus Fruchtsaft vergoren. Es ist ein eingelegter Likör, der in der Herstellungslogik eher Limoncello oder Sloe Gin ähnelt als Traubenwein. Es japanischen Pflaumenwein zu nennen, ist eine nützliche Kurzform, aber den Unterschied zu kennen ist wichtig, sobald man beginnt, es ernsthaft zu trinken.
Pflaumen-Sake fügt eine weitere Verwirrungsebene hinzu. Eine kleine Zahl von Herstellern stellt tatsächlich einen echten ume-aromatisierten Sake her — Reis-Sake, der mit Ume aufgegossen oder verschnitten wird —, und einige Etiketten sagen vorne „Pflaumen-Sake". Doch das Standardprodukt in 95 % der Flaschen mit der Aufschrift Umeshu oder Pflaumen-Sake ist dasselbe: Ume-Frucht, eingelegt in destillierten Branntwein und Zucker. Das Wort „Sake" bedeutet im Japanischen (酒) eigentlich nur Alkohol jeder Art, was mit zum Ursprung des sprachlichen Durcheinanders gehört.
Dasselbe gilt für Pflaumenwhisky. Whisky-basiertes Umeshu existiert zwar — eine Handvoll Craft-Hersteller hat im letzten Jahrzehnt begonnen, Ume in fassgereiftem Whisky einzulegen, für ein rauchigeres, trockeneres Ergebnis —, aber es ist eine winzige Nische. Wenn auf einer Flasche „Pflaumenwhisky" steht, ist es fast immer eine whiskybasierte Variante des Umeshu, keine eigene Kategorie.
| Begriff | Was es tatsächlich ist | Technisch korrekt? |
|---|---|---|
| Umeshu (梅酒) | Ume-Frucht, eingelegt in Branntwein + Zucker | Ja — der ursprüngliche japanische Begriff |
| Japanischer Pflaumenwein | Marketing-Übersetzung von Umeshu | Nicht wirklich — es ist ein Likör, kein Wein |
| Pflaumen-Sake | Meist Umeshu; selten echter Sake mit Ume | In den meisten Fällen irreführend |
| Japanischer Pflaumenlikör | Der präzise deutsche Kategoriename | Ja |
| Ume-Likör | Dasselbe wie japanischer Pflaumenlikör | Ja |
| Pflaumenwhisky | Whiskybasiertes Umeshu (selten) | Ja, für diesen speziellen Stil |
Im Rest dieses Leitfadens verwenden wir überwiegend das Wort Umeshu, mit Pflaumenwein und japanischer Pflaumenwein als gelegentliche Synonyme, wenn der deutsche Kontext es verlangt.
Die Ume-Frucht: Keine Pflaume, keine Aprikose
Um Umeshu zu verstehen, beginnt man mit der Ume. Botanisch ist die Ume Prunus mume — eine Frucht, die sowohl mit Pflaumen als auch mit Aprikosen verwandt, aber mit keiner identisch ist. Die meisten Botaniker ordnen sie heute näher der Aprikosenfamilie als den echten Pflaumen zu, weshalb manche sorgfältigen Übersetzer „japanische Aprikose" gegenüber „japanische Pflaume" bevorzugen. In der Praxis sieht man beide Namen, und der japanische Begriff Ume ersetzt beide allmählich in Spezialgeschäften.
Der Ume-Baum blüht im Spätwinter, Wochen vor den Kirschbäumen, und seine kleinen weißen oder blassrosa Blüten sind ein beliebtes Motiv in der japanischen Malerei und Dichtung. Die Blüten werden bewundert, doch die Frucht ist der Preis. Im Juni sind die Ume reif zum Pflücken: klein, grün, intensiv sauer und roh ungenießbar. Sie werden dann für drei Dinge verwendet — Umeboshi (eingelegte gesalzene Pflaumen), Umesu (der beim Einlegen abgeschöpfte Essig) und, am bekanntesten, Umeshu.
Die Ume-Frucht ist alles für dieses Getränk. Ihre Säure, ihre spezifischen Aromastoffe, ihr hoher Zitronensäuregehalt, sogar die Art, wie der Kern langsam mandelartige Noten in die Einlegeflüssigkeit abgibt — all das prägt den endgültigen Charakter des Ume-Fruchtweins. Es gibt keinen Ersatz. Man hat versucht, Umeshu mit europäischen Pflaumen herzustellen; das Ergebnis ist ein anderes Getränk. Die botanische Besonderheit der Ume ist der ganze Punkt.
Die Ume ist auch ein kulturelles Symbol in Japan, oft mit der Kiefer und dem Bambus in der klassischen Kunst gepaart. Diese langsame, geduldige Tradition fügt sich in die weitere japanische Ästhetik des Wertschätzens von Zeit und stillen Jahresritualen ein.
Die Bedeutung von Umeshu im Japanischen (梅酒)
Das Wort Umeshu wird im Japanischen als 梅酒 geschrieben — zwei Kanji. Das erste, 梅 (ume), bedeutet Pflaume oder japanische Aprikose. Das zweite, 酒 (shu, auch als sake gelesen), bedeutet Alkohol. Umeshu übersetzt sich also wörtlich als „Pflaumenalkohol" oder „Ume-Alkohol", was einer der ehrlicheren Namen ist, die ein Getränk je erhalten hat. Die Umschrift ume shu (manchmal als zwei Wörter geschrieben) spiegelt diese Zwei-Zeichen-Struktur wider.
Gelegentlich sieht man Umeshu in deutschsprachigen Listungen falsch geschrieben als umeshi, umeshuu oder umesu — das sind alles Varianten und Tippfehler für dasselbe Getränk. Das Kanji 梅酒 ist die einzige vollkommen eindeutige Form.
Im japanischen Alltagsgespräch wird Umeshu oft einfach zu Umeshu verkürzt, gelegentlich erscheint es im Deutschen als „japanisches Umeshu", um es von den koreanischen oder chinesischen Pflaumenlikören abzugrenzen, die als eigene Kategorien existieren. Wenn eine japanische Person Umeshu sagt, spricht sie über den selbst eingelegten oder kommerziell hergestellten Ume-Likör, den dieser Artikel beschreibt.
Eine kurze Geschichte des Pflaumenweins in Japan
Die Geschichte des japanischen Pflaumenweins reicht weiter zurück, als die meisten Menschen ahnen. Aufzeichnungen über in Alkohol konservierte Ume-Früchte erscheinen in japanischen medizinischen Texten bereits in der Heian-Zeit (794–1185), wo das Getränk als Tonikum für Verdauung und Ermüdung verschrieben wurde, statt als Getränk genossen zu werden. Das früheste Umeshu war mit anderen Worten Medizin.
Der Wandel von Medizin zu Genuss vollzog sich allmählich. In der Edo-Zeit (1603–1868) war die Hausproduktion von Pflaumenwein japanweit zu einer saisonalen Haushaltstradition geworden, besonders in Bauerngemeinschaften, wo die Ume-Ernte ein kleines jährliches Ritual war. Flaschen wurden im Frühsommer angesetzt und zu Jahresendfeiern geöffnet. Rezepte wurden innerhalb der Familien weitergegeben. Das Getränk blieb fast vollständig häuslich — bis ins zwanzigste Jahrhundert gab es im Grunde keine kommerziellen Hersteller.
Das änderte sich 1959, als ein Süßweinhersteller namens Choya das erste weitverbreitete kommerzielle Umeshu abfüllte. Das Produkt war in Japan ein sofortiger Erfolg und tauchte ab den 1970er-Jahren in Exportmärkten als „japanischer Pflaumenwein" auf. Einige Jahrzehnte später war Umeshu zu einem der einfachsten Einstiege in die japanische Trinkkultur für internationale Verbraucher geworden — leichter als Sake, freundlicher als Shōchū, vertrauter als Awamori.
Die Exporte des japanischen Pflaumenweins sind seit den frühen 2000er-Jahren stark gewachsen. Heute gibt es Hunderte kleiner Hersteller in ganz Japan, jeder mit leicht unterschiedlichen Ume-Sorten, Grundbranntweinen und Zuckern. Auch die Hausproduktion erlebt in Städten wie Tokio und Osaka eine stille Wiederbelebung, teils angetrieben von derselben Fermentations- und Handwerksküchenbewegung, die Miso, Kōji und Shio ins kulturelle Rampenlicht rückte.
Die Hauptzutat im Umeshu: Wie es hergestellt wird
Wenn jemand fragt, was die Hauptzutat im japanischen Likör Umeshu ist, hat die ehrliche Antwort drei Teile: Ume-Frucht, Zucker und einen klaren neutralen Branntwein. Die Anteile variieren, doch ein klassisches Verhältnis ist ein Kilogramm Ume, 500–800 Gramm Zucker und 1,8 Liter Shōchū (oder ein anderer klarer Branntwein) bei etwa 35 % Alkohol. Vermischen, verschließen, warten.
Die Hauptzutat, auf der Umeshu aufbaut, ist offensichtlich die Ume. Die Frucht muss unreif sein — fest, grün, sauer. Reife Ume macht den Likör trüb und verleiht ihm einen unangenehmen, gegorenen Geschmack. Der Zucker ist gewöhnlich Kristall-Kandiszucker (kōri-zatō), der sich langsam auflöst und Geschmack und Farbe allmählich aus der Frucht zieht statt auf einmal. Der Grundbranntwein ist traditionell „White Liquor" (ein hochprozentiger neutraler Shōchū, der in Japan eigens zur Likörherstellung verkauft wird), doch moderne Hersteller experimentieren mit Brandy, Wodka, Gin und Whisky.
Die Chemie ist einfach, aber elegant. Zucker erzeugt ein osmotisches Druckgefälle, das Wasser aus den Fruchtzellen zieht. Der Alkohol dringt in die entgegengesetzte Richtung in die Frucht ein. Über Monate gibt die Ume ihre Säuren, ihre aromatischen Ester, ihre Farbe und eine kleine Menge natürlichen Amygdalins aus dem Kern ab (das mandelartige Noten beiträgt). Die Flüssigkeit dunkelt von klar zu blassgold zu tiefem Bernstein nach. Die Frucht schrumpft, runzelt und setzt sich schließlich am Boden der Flasche ab.
Das Mindestalter für ein trinkbares Umeshu liegt bei etwa drei Monaten. Das Standardalter für eine kommerzielle Flasche sind sechs bis zwölf Monate. Das Ernsthafte — was Spezialgeschäfte in Japan kojuku-umeshu nennen — reift drei, fünf, sogar zehn Jahre und schmeckt eher wie ein gereifter Sherry als ein Fruchtlikör.
Choya: Die Marke, die Umeshu im Ausland prägte
Wenn man je Umeshu außerhalb Japans getrunken hat, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Flasche von Choya stammte. Choya-Umeshu ist die am weitesten verbreitete Umeshu-Marke der Welt, und für die meisten internationalen Verbraucher ist der Name praktisch zum Synonym für die Kategorie geworden. Die Frage, was Choya-Umeshu ist, hat eine einfache Antwort: Es ist das kommerzielle Umeshu, das die Firma Choya in Habikino, Präfektur Osaka, seit 1959 herstellt.
Die Firma Choya selbst ist älter als das Umeshu, das sie verkauft. 1914 als Traubenweinhersteller gegründet, wechselte das Unternehmen in den 1920er-Jahren zum Ume-Anbau und schließlich in den späten 1950er-Jahren zum kommerziellen Umeshu. Ihr Signaturprodukt, der grünflaschige Choya-Pflaumenwein mit der ganzen eingelegten Frucht im Inneren, wurde zu einem der großen visuellen Sinnbilder japanischer Exporte.
Die Choya-Linie umfasst in der japanischen Markenführung mehr als nur das klassische Umeshu. Es gibt The Choya (eine gereifte Premiumvariante), Choya Ume (ohne die ganze Frucht, leichter und klarer), Choya Royal Honey, Choya White und saisonale Sonderausgaben. Es gibt sogar einen Choya-Grüntee-Likör, der genau das ist, wonach er klingt — ein mit Grüntee aufgegossener Likör nach denselben Verschnittprinzipien wie ihre Umeshu-Linie.
Es sei gesagt, dass Choya ein Hersteller unter Hunderten ist. Hervorragendes Umeshu wird von Suntory, von Sake-Brauereien wie Dassai und Hakutsuru und von kleinen Craft-Herstellern in ganz Wakayama, Kyūshū und Shikoku gemacht. Choya ist der Einstieg, nicht die Obergrenze. Der kulturelle Moment, in dem Umeshu sich weniger wie eine Exportkuriosität und mehr wie ein weltweit anerkanntes japanisches Getränk anfühlte, wurde jedoch auf Choyas Flaschen aufgebaut.
Geschmacksnoten & Stile: Von honigsüß bis trocken
Das sensorische Profil von Umeshu ist unverkennbar, sobald man es einmal probiert hat. Der erste Eindruck ist Süße — weich, abgerundet, nie klebrig —, fast unmittelbar gefolgt von Säure aus den natürlichen Zitronen- und Apfelsäuren der Ume. Die Mitte des Schlucks trägt Fruchtaromen, die sich je nach Flasche ändern: grüner Apfel, weißer Pfirsich, Marzipan, getrocknete Aprikose, manchmal Honig, manchmal eine schwache Rauchigkeit vom Einlegebranntwein. Der Abgang ist gewöhnlich sauber und überraschend lang.
Innerhalb dieses allgemeinen Profils reichen die Stile weit:
- Süßes Umeshu (der Choya-Standardstil): honigartig, saftig, alkoholarm, leicht zu trinken. Der beste Einstieg.
- Trockenes Umeshu: weniger Zucker im Rezept, mehr Säure, mehr Branntweincharakter. Besser zum Essen.
- Gereiftes Umeshu: drei bis zehn Jahre im Glas, manchmal im Holz vollendet. Dunkler, sherryähnlicher, komplexer.
- Umeshu im Pflaumenwhisky-Stil: Ume, eingelegt in fassgereiftem Whisky. Rauchiger, trockener, weniger offensichtlich fruchtig.
- Umeshu auf Sake-Basis: weniger Alkohol, leichteres Mundgefühl, eleganter. Das Nächste an einem echten Pflaumen-Sake.
- Umeshu auf Gin-Basis oder mit Shiso: moderne Craft-Varianten mit botanischen oder kräuterigen Zusätzen.
Der Weg, Umeshu kennenzulernen, ist, zwei oder drei Stile nebeneinander zu probieren. Ein süßes Choya, eine trockene Craft-Flasche und ein gereiftes werden einem in zwanzig Minuten mehr beibringen als jede schriftliche Beschreibung.
Wie man Umeshu trinkt: auf Eis, mit Soda, in Cocktails
Umeshu ist vielseitiger als die meisten Spirituosen. Die klassische japanische Serviermethode ist auf Eis — ein oder zwei große Eiswürfel in einem Tumbler, zwei Finger Umeshu darübergegossen, das Getränk kurz umgerührt. Das schmelzende Eis mildert die Süße und öffnet die Fruchtaromen. So erscheint das Getränk auf den meisten Izakaya-Karten.
Die zweithäufigste Servierform ist mit Sodawasser, in etwa einem Verhältnis von 1:2 Umeshu zu Sprudelwasser. Dieser Stil, oft „Umeshu-Soda" oder „Umeshu-Highball" genannt, ist das, was die meisten japanischen Trinker an einem heißen Sommerabend bestellen. Er ist leicht, erfrischend und gefährlich gut trinkbar.
Eine dritte Option ist heißes Umeshu (oyu-wari), bei dem der Likör in einer Wintertasse mit heißem Wasser verdünnt wird. Das ist besonders gut bei gereiften Flaschen, wo die Wärme die tieferen Sherry- und Steinobstnoten hervorbringt.
Umeshu funktioniert auch wunderbar in Cocktails. Einige Klassiker, die man kennen sollte:
- Ume Spritz: Umeshu, Prosecco, Soda, Zitronenschale. Aperitif-Terrain.
- Ume Sour: Umeshu, frischer Zitronensaft, ein Hauch Zuckersirup, kräftig geschüttelt, ohne Eis serviert.
- Ume Negroni: zu gleichen Teilen Umeshu, Gin und Campari. Eine erstaunlich perfekte Abwandlung des Klassikers.
- Plum Old Fashioned: Bourbon, ein halbes Maß gereiftes Umeshu, zwei Spritzer Bitters.
Umeshu passt auch überraschend gut zu Speisen: salzige Käse, Charcuterie, alles Frittierte, alles Scharfe. Es ist in gewissem Sinne ein eingebauter Gaumenreiniger.
Umeshu zu Hause herstellen: Das traditionelle Rezept
Sein eigenes Umeshu herzustellen ist eines der einfachsten Mazerationsprojekte der Welt — technisch ist es nicht einmal eine Fermentation, nur eine Mazeration. Der schwierige Teil ist die Beschaffung von Ume. Wenn man in der Nähe eines japanischen Lebensmittelhändlers wohnt, erscheinen frische grüne Ume im Juni; ansonsten funktioniert gefrorene Ume aus asiatischen Supermärkten fast genauso gut.
Das traditionelle Rezept:
- 1 kg unreife grüne Ume-Früchte, gewaschen und am Stielansatz angestochen. Die Stiele lassen sich mit einem Zahnstocher sauber herausziehen.
- 500–800 g Kandiszucker (kōri-zatō). Weniger für eine trockenere Flasche, mehr für süß.
- 1,8 l White Liquor mit 35 % Alkohol, oder ein neutraler Wodka, oder Shōchū.
- Ein großes luftdichtes Glasgefäß, sterilisiert.
Schichte die Ume und den Zucker abwechselnd in das Gefäß, gieße den Branntwein darüber, bis alles bedeckt ist, verschließe es dicht, beschrifte es mit dem Datum und lagere es an einem dunklen, kühlen Ort. Schüttle das Gefäß im ersten Monat einmal wöchentlich sanft. Nach drei Monaten ist es trinkbar; nach sechs ist es gut; nach einem Jahr ist es ausgezeichnet; nach drei Jahren ist es bemerkenswert. Die Ume-Frucht bleibt die ganze Zeit in der Flasche. Du kannst sie später essen — sie ist eine perfekte Garnitur in einem Cocktail oder eine säuerliche Begleitung zu Vanilleeis.
Wo man Umeshu kauft & Flaschen zum Probieren
Wenn man Umeshu außerhalb Japans kauft, ist die große Supermarktoption fast immer Choya — verlässlich, preiswert, ein vollkommen guter Ausgangspunkt. Spezialisierte japanische Spirituosengeschäfte und gut sortierte Weinhändler führen eine größere Bandbreite. Online versenden Händler wie Tippsy, Saketora und Yoyogi Importers Craft-Umeshu international aus Japan.
Für alle, die über das Einstiegs-Choya hinausgehen, hier einige Flaschenstile, die es zu suchen lohnt:
- The Choya (gereift) — der Premium-Ausdruck desselben Herstellers, dramatisch reichhaltiger.
- Suntory Yamazaki Plum Liqueur — whiskygereiftes Umeshu einer legendären Destillerie, im Pflaumenwhisky-Stil.
- Hakutsuru Plum Wine — die Interpretation einer Sake-Brauerei, leichter und eleganter.
- Kishu-Umeshu — Flaschen aus der Präfektur Wakayama, der spirituellen Heimat des Ume-Anbaus in Japan.
Was immer man am Ende wählt, die Regel ist einfach: die Flasche kühlen, über großes Eis gießen, langsam nippen und es seine stille Arbeit tun lassen.
Häufig gestellte Fragen zu Umeshu
Was ist Umeshu, einfach erklärt?
Umeshu ist ein japanischer Pflaumenlikör, der durch das Einlegen unreifer Ume-Früchte in einen klaren Branntwein mit Zucker für mindestens drei bis sechs Monate hergestellt wird. Es ist süß, säuerlich, aromatisch, gewöhnlich um die 10–15 % Alkohol und wird im Deutschen oft Pflaumenwein genannt — obwohl es technisch ein Likör ist, kein Wein.
Was ist die Hauptzutat im japanischen Likör Umeshu?
Die Hauptzutat ist die Ume-Frucht (Prunus mume), ein japanisches Steinobst, das der Aprikose näher ist als der Pflaume. Die beiden anderen Grundzutaten sind Zucker (traditionell Kandiszucker) und ein neutraler hochprozentiger Branntwein wie Shōchū, White Liquor oder Wodka.
Ist Umeshu dasselbe wie Pflaumenwein?
Ja, im alltäglichen deutschen Sprachgebrauch. Pflaumenwein, japanischer Pflaumenwein und Umeshu sind alles Marketing-Etiketten für dasselbe Getränk. Technisch ist Umeshu ein eingelegter Likör, kein vergorener Wein, daher ist Pflaumenlikör oder Ume-Likör der präzisere Begriff.
Ist Umeshu dasselbe wie Pflaumen-Sake?
Fast immer nein. Die meisten Flaschen mit der Aufschrift Pflaumen-Sake sind schlicht Umeshu unter einer anderen Übersetzung. Echter Pflaumen-Sake — Reis-Sake, der mit Ume aufgegossen oder verschnitten wird — existiert, ist aber ein Nischenprodukt. Das Wort Sake bedeutet im Japanischen Alkohol im Allgemeinen, was die Quelle der Verwirrung ist.
Wie schmeckt Umeshu?
Süß und säuerlich zugleich, mit Aromen von Steinobst, weißem Pfirsich, Marzipan und manchmal Honig. Die Textur ist abgerundet, nicht klebrig, und der Abgang ist sauber. Süßes Umeshu (der Choya-Stil) ist am häufigsten; trockene, gereifte und whiskybasierte Flaschen sind zunehmend komplexer.
Was ist die Bedeutung von Umeshu im Japanischen?
Umeshu wird 梅酒 geschrieben — zwei Kanji, die „Pflaume" (ume) und „Alkohol" (shu/sake) bedeuten. Wörtlich Pflaumenalkohol oder Ume-Alkohol. Die Umschrift ume shu spiegelt diese Zwei-Zeichen-Struktur wider.
Was ist Choya-Umeshu?
Choya-Umeshu ist der kommerzielle Pflaumenlikör, der von der Choya Umeshu Company in Osaka, Japan, seit 1959 hergestellt wird. Es ist die international am weitesten verbreitete Umeshu-Marke, und für viele Trinker außerhalb Japans ist der Name Choya praktisch ein Synonym für Umeshu.
Kann ich Umeshu zu Hause machen?
Ja — es ist eines der einfachsten Aufgussgetränke. Man braucht unreife grüne Ume-Früchte, Kandiszucker und einen neutralen Branntwein mit 35 % Alkohol oder mehr. Schichte sie in ein sterilisiertes Gefäß, verschließe es, lagere es dunkel und kühl, schüttle es gelegentlich. Das Getränk ist nach drei Monaten fertig, gut nach sechs, ausgezeichnet nach zwölf und außergewöhnlich nach mehreren Jahren.
Wie sollte ich Umeshu trinken?
Am häufigsten auf Eis — über ein oder zwei große Eiswürfel in einem niedrigen Glas. Andere beliebte Servierformen: mit Sodawasser (Umeshu-Soda), mit heißem Wasser im Winter (oyu-wari) oder in Cocktails. Umeshu passt auch gut zu salzigen, frittierten oder scharfen Speisen.
Bitte trinke verantwortungsvoll. Umeshu ist ein alkoholisches Getränk. Bitte genieße es in Maßen und nur, wenn du das gesetzliche Mindestalter für Alkoholkonsum in deinem Land erreicht hast. Dieser Artikel dient der Information und ist keine Aufforderung zum Alkoholkonsum.